Der „Kardelhannes“ – Einstens ein Landwirt (2. Teil)

Die Fasnetsfigur des „Kardelhannes“ wurde anlässlich des 60. Geburtstages der Zunft 1996 vorgestellt und ist seitdem als 3. Maskengruppe fester Bestandteil unser Zunft.

Das Häs (oder Kostüm) erinnert an die bäuerliche Vergangenheit von Baienfurt. Um 1806 wurde mit dem Anbau der „Weberkarde“ in Baienfurt begonnen. Offensichtlich waren die Beschaffenheit des Bodens und das Klima für das Gedeihen dieses Gewächses hervorragend, können wir doch in der Beschreibung von Baienfurt des Oberamtes Ravensburg aus dem Jahre 1836 lesen: „Der Ort hat eine angenehme und fruchtbare Lage, ein gutes Aussehen und manche vermögliche Einwohner. Er ist im Oberamtsbezirk die erste Pflanzstätte der Werber-Karde. Die Karde wurde zum Aufrauhen von Stoffen (Leinen) benötigt.

Da sie also nur um Baienfurt gut gedieh, brachte sie den Bauern einigen Wohlstand, der im Häs durch rote Schleife, Halskrause und Zylinder dokumentiert wird. Neben dem Fuchsschwanz, der als Zeichen der Schläue gilt und als Neckwerkzeug dient, hat der Kardelhannes Süßigkeiten für Kinder dabei. Die Farben des Wamses sind blau und weiß. Auch hier stand die Vergangenheit Pate. Die Bauern zeigten den Verkauf ihrer „Karden“ durch das Aufhängen von blau-weißen Fahnen an – „Kardemarkt“ war angesagt. Die Senffarbene Hose symbolisiert die damalige Arbeitskleidung. Übrigens: Streng genommen müsste der „Kardelhannes“ Kardehannes heißen.

Das „l“ im Namen hat nach der Rechtschreibung dort nichts verloren. Unsere Aussprache und unser Gehör nehmen das „l“ jedoch so freundschaftlich auf, dass wir den grammatikalischen Fehltritt in Kauf nehmen und sehr gerne mit ihm leben.