Narrenzunft GOLE 1865 e.V. Riedlingen

Besonderes zur Zunft/Bräuche

Mohrenwäsche: Eine bekannte Persönlichkeit, die sich um Riedlingen verdient gemacht hat, aber nicht in der Stadt geboren ist, wird vorab geheim ausgewählt und als große Überraschung für die versammelte närrische Bürgerschaft an diesem Abend präsentiert. Dabei werden zuerst mal in humorvoller Art und Weise die Ecken und Kanten der zu waschenden Persönlichkeit umschrieben, bevor sie dann auf die Bühne geholt und in einem Waschzuber zum echten „Riedlinger Mohr“ gewaschen

Traditioneller Höhepunkt der Fasnet für die meisten Riedlinger Narren ist das seit 1829 stattfindende Froschkuttelnessen am Fasnets-Dienstag. Bereits um 8.45 Uhr versammeln sich die männlichen Narren am Rathaus, um danach im Gänsemarsch um den „Stock“ wieder zurück zum Rathaus zu ziehen. Im Rathaussaal werden neben dem Kuttelnschmauß und reichlichem Narrengesang in Reimform durch verschiedene Narrenkünstler die unterjährigen Missgeschicke so mancher bekannter Riedlinger vorgetragen.

Zeitgleich treffen sich die „Weiber der Stadt“ zu Ihrem Froschkuttelnessen im Hirsch, wo ein ähnliches Programm stattfindet.

Ab 11 Uhr werden die Herren der Schöpfung dann von den Weibern der Stadt auf dem Marktplatz erwartet. Da die Eingangstür des Rathauses von den Weibern verschlossen wird, muss das Rathaus vom ersten Stock über eine Rutsche verlassen werden.

Danach folgt wiederum ein Gänsemarsch zum Gasthaus Kreuz, in welchem die Fensterläden bereits zugeklappt sind, da hier nun Witze erzählt werden.

Aus dem Jahre 1818 gibt es erste Belege für die Hauptfigur der Narrenzunft den „Gole„. Die Herkunft dieses Begriffes ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise stammt er von dem Begriff „Jole“ oder „Joler, also „Schreier“ ab. Er könnte aber auch im Bezug zum biblischen Riesen Goliath stehen.

Trommler und Fanfarenzug

der Narrenzunft Gole – Dirigenten: Johannes Wied, Marcel Ott, Philipp Bartnik

Narrenbüttel

Typischer Narrenbüttel der schwäbisch-alemannischen Fasnet

Die Uniform des „Narrenbüttel“ ist dem Original eines vorderösterreichischen Kavalleristen aus dem Jahre 1806 nachgeschneidert.

Der Hut, welcher in der Fachsprache „Tschako“ genannt wird, wie auch der Säbel des Narrenbüttels sind Originale und stammen aus der Zeit um 1800.

Narrenbüttel

Golebegleiter
mit Golefahne

Die Leibgarde der Gole sind die „Golebegleiter“. Sie bewachen den Gole seit 1954. Ihr Gewand besteht aus einem hellen, groben Leinen mit einem kurzen schwarzen Rock und rotem Schurzlatz.

Das Charakteristische an der Holzmaske der Golebegleiter ist der grimmige Gesichtsausdruck. Die Maskenhaube ist über und über mit roten Wollboppeln besetzt.

Golebelgeiter

Besenweiber

Das Besenweib soll keine Hexe sondern vermutlich eine bäuerliche, „schaffige“ und durchaus freundliche Frauengestalt darstellen. An der Holzmaske befindet sich ein grünes Kopftuch, besetzt mit Streifen in den Narrenfarben. Das Häs besteht aus einem Hemd in gedämpften Farben sowie einem kariertem bzw. gemusterten Rock mit Schürze.

Besenweiber (Bild: Thomas Warnack)

Junge Boppele

siehe Boppele weiter unten

 

Neuer Gole
mit Golebegleiter

1890 wurde der „Neue Gole“ kreiert. Brust, Arme und Beine der Figur sind mit einem silbernen Schuppenpanzer bedeckt. Darunter ist ein roter, knielanger Waffenrock. In der Hand hält er ein rundes Schild mit dem Riedlinger Stadtwappen und ebenso wie der alte Gole und die Gelbsucht einen großen Speer. Der überlebensgroße Papiermaché-Kopf des neuen Gole wurde 1973 aus glasfaserverstärktem Kunststoff so naturgetreu nachgebildet, dass beide Köpfe selbst aus nächster Nähe nicht voneinander zu unterscheiden sind. Der Kopf aus dem Jahre 1890 ist heute im Narrenmuseum in Bad Dürrheim ausgestellt. Charakteristisch ist der weit aufgerissene Mund mit fletschenden Zähnen, herabhängendem Schnurrbart, herausquellenden Kugelaugen und grimmig schräg nach oben stehenden Augenbrauen. Der Kopf ist bedeckt mit einem Silberhelm nach römischer Art mit bürstenbesetzter Helmraupe.

Neuer Gole

Kleine Gole

   

Alter Gole mit Golebegleiter

1870 entstand der Maskenkopf des „Alten Gole„, der früher manchmal auch „Lumpengole“ genannt wurde. Der „Alte Gole“ trägt einen kurzärmeligen nur knielangen mittelalterlichen Waffenrock aus blauem Waschsamt. Der Teil unterhalb des Gürtels sowie der Gürtel selber ist mit Filzstreifen in den Farben grün, gelb, weiß, rot besetzt, dazwischen sind Silberlitzen. Unter dem Waffenrock befindet sich ein langärmeliger Anzug aus orangefarbenem Waschsamt, auf der Brust das Riedlinger Wappen. Die Maske ist ein überlebensgroßer, etwa ein Meter hoher Papiermaché-Kopf mit braunem Gesicht, schwarzem Bart und leuchtend großen, mandelförmigen Augen. Auf dem Kopf ein grün-goldfarbener Helm.

http://www.gole.de/images/stories/box/altergole.jpg

Gelbsucht mit Golebegleiter

Der erste „Riese“, welcher 1818 zum ersten Mal bei der Riedlinger Fasnet zu sehen war, ist die heutige „Gelbsucht“. Seinen überlebensgroßen Papiermaché-Kopf prägt ein asiatischer Gesichtsausdruck mit gelber Hautfarbe, starken Backenknochen, niederer Stirn und schwarzem Bart.

Auf dem etwa 70 cm großen Kopf befindet sich ein Helm mit gelb-grünen Ornamenten. Bekleidet ist die Gelbsucht mit einem gelb-braunen Waffenrock mit Gürtel, darunter eine gleichfarbige Hose sowie schwarze Schaftstiefel

Gelbsucht

Doppelgesicht

Eine Besonderheit stellt das im Jahre 1870 entstandene „Doppelgesicht“ dar. Es verkörpert eine jeweils halbseitige männliche und weibliche, bäuerliche Gestalt.

Das Doppelgesicht steht als Symbol für den scheidenden Winter und den kommenden Frühling.

Die männliche Seite trägt eine helle, lederne Kniebundhose, eine rote Weste, darüber einen blauen Mantel.

Die weibliche Seite einen farbigen Schurz, wollenes, kariertes Mieder in den Farben grün, gelb, weiß und rot.

Der übergroße Papiermaché-Kopf stellt halbseitig ein männliches und weibliches Gesicht dar. Als Kopfbedeckung trägt der Mann einen Hut, die Frau eine große Haarschleife.

Auch die Schuhe sind zweiseitig, einmal grober Männerschuh, zum anderen zierlicher Frauenschuh.

Doppelgesicht

Mohr mit Löwen

Die Figur „Mohr“ entstand ca. 1885 aufgrund einer Überlieferung der „Riedlinger Mohrenwäscher“ (siehe Geschichte). Da es sich damals vermutlich um einen Afrikaner gehandelt hat wurden dem Mohr symbolisch noch Löwen zugeteilt, welche aber bereits seit 1818 zusammen mit der Gelbsucht die Riedlinger Fasnet bereichern.

Der Mohr trägt einen überdimensionalen Papiermaché-Kopf. Sein Überrock ist schwarz-blau und fast Knie lang. Er führt an Ketten die beiden „Löwen“, deren Anzug aus beigefarbigem Plüsch gefertigt ist. Die Papiermaché-Köpfe der Löwen sind mit bartartigen, hellen Fransen besetzt, welche die Maskenhaube bilden.

Löwe & Mohr

Storch mit Fröschen

Der Storch ist eine weit verbreitete alte Fasnet-Figur

In Riedlingen 1926 in die Reihe der Traditionsmasken aufgenommen wurde.

Besonders schöner Storch

Das Riedlinger Storchennest ist seit Menschengedenken Jahr für Jahr besetzt.

Der Träger des „Storches“ steckt bis zu den Hüften in einem festen, übergroßen Storchenkörper. Seine Arme werden durch die beweglichen Flügel verdeckt.

An einem Stoffband hält er die beiden „Frösche“, welche symbolisch mit dem „Froschkuttelnessen“ am Fasnetsdienstag in Zusammenhang stehen. Ihr einteiliges Kostüm ist aus grüner Seide, die einen Froschkopf darstellende Ganzmaske ebenfalls aus Papiermaché.

Storch

Laufmohr mit 7 Waschweibern

Beim Umbau des Kaplaneihauses und Goleheims in Riedlingen wurde 2003 die Maske des „Laufmohrs“ in einer sorgsam zugeschnürten, innen gepolsterten Schachtel gefunden.

Auf der Suche nach der Herkunft dieser Maske wurde der „Laufmohr“ tatsächlich auf einigen Fotos entdeckt. Ein Bild aus dem Jahre 1938 zeigt den Mohr zusammen mit Waschweibern.

Bei weiteren Nachforschungen fand sich ein interessanter Artikel in der Schwäbischen Zeitung von 1951 in dem die Empfehlung ausgesprochen wurde, bei der alten Riedlinger Tradition der Mohrenwäsche zu bleiben und mit dieser Zeremonie Narrensamen und „ausgewachsene“ Narren als Mohren in den Golezug aufzunehmen. Hinzugenommen werden müsse dann als Belebung die wirkliche Wäsche eines Mohren durch Schrubber- und Waschfrauen.

Im Stadt-Jubiläumsjahr 2005 wurde die Gruppe aus Laufmohr und sieben Wäschweibern neu gegründet. Der Entwurf und die Gestaltung der Häser erfolgte durch Jürgen Hohl und Lilo Bucher.

Laufmohrgruppe

Kupfernäsa

Die Original-Maske der Kupfernäs stammt aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts, also noch aus der Zeit vor dem Gole. Die Maske könnte eine Anspielung auf den damals stark vertretenen Stand der Bier-Brauer in der Donaustadt gewesen sein. Die Beschaffenheit der aufgemalten Barttracht deutet die Entstehungszeit an – und die rote Nase zeigt, dass es sich bei dieser Gestalt nicht unbedingt um einen Abstinenzler gehandelt haben dürfte.

Passend dazu gibt es auch den Fasnetsspruch: „Ond wenn dei Nas aus Kupfer wär, no dätesch aussea grad wia der!“

Narrenutensil: Geißel mit „Saubloder“. .

Kupfernäs

Narrenrat

(insgesamt 30, jedoch begleiten nur ca. 10-12 Narrenräte den Zunftmeister beim Umzug, da einige Narrenräte in anderer Funktion am Umzug teilnehmen)

Mit Zunftmeister

Stadtmusik Riedlingen

Dirigent: Stadtmusikdirektor Michael Reiter (Stand 2019)

 

Boppele

Als größte Riedlinger Maskengruppe begleiten die „Boppele“ in ihren dunkelbraunen Plüschanzügen fröhlich hüpfend die Gole und sorgen mit ihren „Streckscheren“ und „Saublodern“ für ein närrisches Treiben. Entstanden ist die Figur im Jahre 1931 nach einem Entwurf von Adolf Gröber.

Über die Schulter tragen die Boppele einen Ledergoller mit kleineren und größeren Metallschellen bestückt und am Rand mit Filzstreifen in den Narrenfarben grün, gelb, weiß und rot versehen.

Im Gegensatz zum eher grimmigen Golebegleiter hat die Holzmaske der Boppele einen heiteren, lachenden Gesichtsausdruck. Jedes Boppele trägt zum Häs entweder eine „Saubloder“, mit welcher sanfte Schläge ausgeteilt werden, oder eine Holzschere, mit der vorwiegend nach Hüten von Zuschauern gegriffen wird.

Boppele